Staphisagria
Staphisagria: Prozessual weite Exzesse rigide normiert, unter-drückt,↔ Lockern bis zer-reißen, bersten ↔ in kleine, überschaubare Einheiten, Zähne bröckeln, Urin tröpfelt.
**Quantum Logic Medicine**
Kurz vorangestellt ein wenig Theorie Wiederholung. Quantum Logic Medicine basiert auf der Annahme, dass eine lebendige Ganzheit aus dem Spiel zweier komplementärer Extreme besteht, wie Yin und Yang. In diesem Lebensspiel existieren immer zwei gegensätzliche Eigenschaften, die herausgearbeitet werden müssen. Die homöopathischen Arzneimittelbilder, die gut dokumentiert sind, bieten eine hervorragende Grundlage für die Therapie. Durch die Analyse dieser Komplementaritäten kann man die Mittel präzise beschreiben und ebenso auch das Lebensthema des Patienten erfassen. Dies ist die effektivste Methode, um ein passendes homöopathisches Mittel für den Patienten zu finden.
**Staphisagria**
Staphisagria steht im Funktionsraum der Milz, dem Fluss, der Lust am Fließen und der Kontrolle darüber. Die Dynamik entfaltet sich zwischen ritueller Selbstbindung, moralischer Fairness und der Unterdrückung spontan ausbrechender, meist sexueller Impulse. Exzessive Bewegungen – reale, virtuelle oder phantasierte – werden in eine künstlich stabilisierte Struktur gepresst. Diese überzogene Stabilhaltung erzeugt innere Risse, Atrophie und den typischen Zerfall des Stabilsten, der Zähne. Früh einsetzende Karies erscheint als Angriff auf den Kern der Struktur, als Ausdruck der Destruktivität von Anti-A, der stets gegen die Überstabilität arbeitet.
Rittersporn hält Fairness für eine übergeordnete Leitlinie. Er bewundert sie, fordert sie ein und erstickt gleichzeitig eigene weite Impulse. Sexualität wird als Grenzüberschreitung empfunden und daher zurückgenommen, gedeckelt, in Fantasie verschoben. Kränkung verschärft sämtliche Symptome und trifft den nervalen Brennpunkt der Struktur. Gedanken und Impulse werden gedeckelt, während im Untergrund destruktive Bewegungen bohren, rucken, lockern und bersten.
Die künstlich überzogene Prozessstruktur zeigt sich mental als hölzerne, auf Dauer adyname Denkfähigkeit. Gefühle werden heruntergeschluckt wie ein Ritual. Erniedrigung nach unten und moralische Gegenkonstrukte nach oben erzeugen die virtuelle Doppelstruktur, die Staphisagria trägt. Durch das Pendeln zwischen beidem entstehen periodische Auflösungsphänomene, Verwirrung, Drehen, Husten und kleine Ausweichventile wie Auswüchse, Kondylome, nächtliche Erektionen, glucksende Symptome, Würmer. Parallel zeigen sich Atrophie, Schweigen und Atemreduktion, als ob selbst Atmung ein Exzess sein könne.
Die Sexualität bleibt häufig in einer Opferposition, unterwerfend oder allein. Was dennoch ausbricht, wird nachträglich vergessen oder überdeckt. Phantasien dagegen können hochfliegen, über Zukunft und Maß hinaus, und wirken wie tatsächlich erlebt. Sie erzeugen sofort den Reflex erneuter Rigidität. Die Fairnessstruktur erscheint als allgemeingültiges Gesetz. Wird sie durch andere verletzt, bricht das lange gehaltene Gefühl eruptiv hervor in Form von Zorn, Werfen von Gegenständen oder Konvulsionen. Danach folgt sofortige Rückkehr in die Regel, begleitet von Selbstbestrafung durch Lähmungen, Koliken, Erschöpfung und Schlafstörungen.
Anti-A zeigt sich in destruktiven Prozessen wie Bersten, Bohren, zentralem Zerreißen, Rucken und dem Verlust der Besinnung. Selbst die Zähne, die höchste Verdichtung der Stabilität, zerfallen. Der Geruch nach Mäusen verweist auf tief erodierende Vorgänge. Ständiges Tropfen der Harnröhre und Verschlechterung bei Umbrüchen wie Entbindung oder erstem Koitus markieren die Bruchstellen. Kleptomanie zeigt den indirekten Ausdruck verbotener Impulse, der direkte Zugriff ist moralisch untersagt, also entsteht der Umweg, quasi im Vorbeigehen.
**Staphisagria in der Tiermedizin**
Staphisagria zeigt in der Tiermedizin ein ähnliches Impulsmuster wie in der Humanmedizin, und wie bei vielen dieser Mittel ist die Abgrenzung zu Nachbarmitteln nicht immer einfach. Entscheidende Verwechslungsgefahr besteht gegenüber Thuja, insbesondere wegen der Hautauswüchse, die beide Mittel kennzeichnen. Dennoch ist Staphisagria – ebenso wie Thuja – ein großes Warzenmittel und umfasst auch das equine Sarkoid, sofern die Gesamtkonstitution des Tieres wirklich dazu passt. Die für Staphisagria typischen Exzesse, die nicht verziehen werden, lassen sich tatsächlich auch bei Tieren beobachten. Der Unterschied zum Menschen liegt nur darin, dass der Mensch seine Impulse meist stärker kontrolliert und der exzessive Ausbruch beim Tier sichtbarer wird, gefolgt vom unmittelbaren Gegenimpuls des Sich-Kleinmachens, Zurückweichens und Unterwerfens. Dies gilt gegenüber Menschen ebenso wie gegenüber Artgenossen.
Staphisagria gehört funktional zur Milz. Damit geht es um das ganz Eigene, den Rückzug ins Eigene, die Kontrolle der eigenen Prozesse und die relative Uninteressiertheit daran, was andere tun. Eine Isolation vom Außen besteht dennoch nicht, denn jeder Kontakt mit außen kann störend wirken. Die größte Störung ist die Kränkung. Sie ist der Punkt, an dem Staphisagria kurzzeitig aus seinem inneren Kreislauf aus künstlichem Stabilhalten, Unterdrücken und punktuellem Ausleben von Exzessen heraustritt. Im Gegensatz zu Sulphur, dem eine Beleidigung gleichgültig ist, reagiert Staphisagria – beim Menschen wie beim Tier – empfindlich. Dringt ein Staphisagria-Tier einmal nach vorn, äußert eine Meinung, zeigt Initiative oder tritt gegenüber einem Herdenchef auf, erlebt es diesen kleinen Vorstoß bereits als exzessiven Vorgang. Für Staphisagria sind normale äußere Prozesse bereits exzessiv. Darauf folgt unmittelbar die Rücknahme in die Unterwerfung und die Opferposition.
Staphisagria-Tiere sind keine Anführer. Sie unterscheiden sich klar von den leberbetonten Kontrolleuren, die das Außen überwachen wollen. Staphisagria hat genug damit zu tun, die inneren Impulse im Zaum zu halten, damit sie nicht ausufern. Jede Form von Unterdrückung, die aus dem Außen zusätzlich hinzukommt, verstärkt den inneren Druck. Daraus entstehen die klassischen Richtungen dieses Mittels: Lähmung und Erstarrung auf der einen Seite, Auswüchse und Entladungen auf der anderen. Lähmungen, Konvulsionen, eine deutliche Neigung zu Epilepsie, besonders beim Hund, gehören zum Bild. Ebenso gehört das Zahnproblem dazu, schlechte Zähne, brüchige Zähne, ein auffällig schwacher Zahnstatus in Kombination mit dem Verhalten des kontrolliert-gefassten Sich-Stabilhaltens.
Typisch ist, dass Staphisagria-Tiere trotz dieses grundsätzlich niedrigen, zurückgenommenen Verhaltens im sexuellen Kontext kurzzeitig in einen Exzess geraten können. Ein sonst unscheinbarer Rüde kann im Moment einer läufigen Hündin plötzlich über seine Grenzen gehen. Ein sonst braver Hengst kann beim Anblick eines Rivalen kurzzeitig in ein übersteigertes Reaktionsmuster schießen. Diese Spitzen sind oft ausschließlich sexuell gebunden. Danach folgt sofort der Rückzug in eine noch intensivere Selbstunterdrückung. Genau diese Polarität – kurze, unerwartete Exzessmomente und der unmittelbare Rückfall in das sich klein machende, sich stabil haltende Muster – ist beim Tier deutlich sichtbar und für die Diagnose sehr hilfreich.
**Zusammenfassung**
Exzesse werden durch Rigidität eingesperrt, die wiederum neue innere Auswüchse provoziert. Diese werden als destruktiv erlebt, wodurch die Stabilität weiter verschärft wird. Der Versuch, den Fluss zu kontrollieren, steigert ihn im Verborgenen und führt zu immer feineren Rissen in der künstlich gehaltenen, virtuellen Leitlinie der Fairness.